Frage: Was ist ein Klimaschutzprojekt und wie kann man die Menge der durch ein solches Projekt eingesparten Emissionen berechnen?

    Ein Klimaschutzprojekt ist eine Maßnahme, durch die sich Treibhausgas-Emissionen vermindern lassen. Beispiele für Klimaschutzprojekte sind die Aufforstung eines Waldes, der Bau eines Windparks oder die Verbesserung der Energieeffizienz einer Anlage. 

    Um die Menge an Treibhausgasen zu ermitteln, die durch ein bestimmtes Klimaschutzprojekt eingespart wird, wird als Referenzszenario (die sogenannte „baseline“) die Situation ermittelt, die sich ohne die Umsetzung des Klimaschutzprojekts ergeben würde. Wenn zum Beispiel Strom statt aus einem Kohlekraftwerk nun durch einen Windpark produziert wird, wird berechnet, mit welchem Emissionsausstoß die entsprechende Menge Strom herkömmlicherweise produziert wird. Diese wird dann mit der Menge verglichen, die nach Umsetzung des Klimaschutzprojekts ausgestoßen wird. 

    Frage: Welche Anforderungen muss ein Klimaschutzprojekt erfüllen, um einen glaubwürdigen CO2-Ausgleich sicher zu stellen?

    Wesentlich für die Wirksamkeit des Kompensationsmechanismus ist, dass das Klimaschutzprojekt zusätzlich ist, also ohne die Einnahmen aus dem Kompensationsmechanismus nicht umgesetzt worden wäre, die Emissionsreduktion realistisch berechnet wird, die erfolgte Emissionsreduktion dauerhaft bestehen bleibt und die Emissionen nicht an anderer Stelle erhöht werden. Abhängig von den Anforderungen an ein Klimaschutzprojekt und der Überwachung der Einhaltung dieser Anforderungen, haben sich verschiedene Formen von Emissionszertifikaten etabliert. Bei Klimaschutzprojekten nach dem Gold Standard werden diese Kriterien in einem mehrstufigen Verfahren streng geprüft. 

    Zentrales Qualitätsmerkmal für ein Klimaschutzprojekt ist die Zusätzlichkeit. Das bedeutet, dass eine Klimaschutzmaßnahme ohne die Erlöse aus dem Kompensationsmechanismus nicht umgesetzt bzw. aus anderen Gründen nicht verwirklicht worden wäre (z.B. technologische oder politische Barrieren). Maßnahmen, die aus sich heraus wirtschaftlich sind und ohnehin durchgeführt worden wären, scheiden daher für eine Kompensation aus. Projekte nach dem Gold Standard dürfen deswegen beispielsweise keine Gelder der Entwicklungszusammenarbeit verwenden. 

    Zusätzlich muss vermieden werden, dass die durch ein Klimaschutzprojekt eingesparten Emissionen nur verlagert werden („Leakage“). Dies ist insbesondere bei Waldprojekten („Senkenprojekte“) problematisch: Wenn man einen Wald unter Schutz stellt, wird, um die Nachfrage an Holz oder Ackerfläche zu befriedigen, einfach ein anderer – nicht geschützter – Wald abgeholzt. Der Effekt wäre dann gleich Null. Der Gold Standard unterstützt daher ausschließlich Projekte für erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

    Daneben muss die durch ein Klimaschutzprojekt erzielte Emissions-Reduktion richtig ermittelt werden. Maßgeblich ist dafür das zu Grunde gelegte Referenzszenario. Bei Klimaschutzprojekten nach dem Gold Standard wird die richtige Berechnung durch die Verwendung eines strengen Prüfverfahrens sichergestellt. 

    Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die realisierten Emissions-Reduktionen nicht im späteren Verlauf wegfallen („Permanenz“). Dies ist insbesondere bei Aufforstungsprojekten problematisch, da ein Wald später abgeholzt werden oder einem Brand oder Schädlingsbefall zum Opfer fallen kann und dadurch das gebundene CO2 wieder freigesetzt wird. 

    Frage:  Warum investiert PROJECT CLIMATE in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern und nicht in Deutschland. 

    Für den Klimawandel spielt es keine Rolle, wo auf der Welt CO2-Emissionen ausgestoßen und wo dieses eingespart werden. Die meisten Klimaschutzprojekte werden daher in weniger entwickelten Ländern umgesetzt, da dort mit einem geringen finanziellen Aufwand dieselbe Einsparung erreicht werden kann.

    Ineffiziente Kohlekraftwerke ohne moderne Filtertechnik werden so beispielsweise durch Kraftwerke ersetzt, die regenerative Energiequellen nutzen.  Der Vorteil dieses Prinzips ist, dass Emissionen dort eingespart werden, wo es am wirtschaftlichsten ist.  Angesichts der riesigen Herausforderungen, die der Klimawandel an unsere Gesellschaft stellt, müssen wir unsere Ressourcen dort einsetzen, wo sie die größte Wirkung entfalten.

     Darüber hinaus ist es schwierig in Deutschland ein Projekt für regenerative Energien zu finden, das sich wirtschaftlich nicht rechnet und nur aufgrund des Kompensationsmechanismus umgesetzt wird. Das EEG (=Erneuerbare Energie Gesetz) fördert in Deutschland regenerative Energien und macht sie hierzulande wirtschaftlich. Es macht keinen Sinn in Deutschland einen Windpark in einer Region zu bauen, in der kein Wind weht, sich dieses deswegen wirtschaftlich nicht rechnet und dieses dann über den Kompensationsmechanismus zu finanzieren.

    Frage: Weshalb investiert PROJECT CLIMATE in Klimaschutzprojekte, die den Aufbau regenerativer Energien fördern? 

    Wir haben uns bewusst dafür entschieden, in Klimaschutzprojekte zu investieren, die den Aufbau von regenerativen Energien fördern. Aus unserer Sicht kann dadurch über die eigentliche Reduktion von Treibhausgasen hinaus der größte Mehrwert für Klima und Gesellschaft erreicht werden. 

    Der über den CO2-Ausgleich finanzierte Bau zusätzlicher Solar-, Wind und Wasserkraftwerke bewirkt einen nachhaltigen Strukturwandel hin zu einer Energiegewinnung aus regenerativen Energien in Regionen der Welt, die technisch oder finanziell mit deren Aufbau überfordert wären. Fossile Energieträger können so langfristig ersetzt werden. Als Modellprojekt haben diese Klimaschutzprojekte oft einen Vorbildcharakter für eine ganze Region und werden an anderen Orten nachgeahmt. 

    Daneben sind auch die gesellschaftlichen Auswirkungen positiv: Es entstehen Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung bei Bau und Betrieb der Anlagen, sie tragen zur Versorgungssicherheit bei – ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor – und die Luftqualität vor Ort wird verbessert.

    Es gibt auch keine wirklichen Alternativen: 

    Obwohl ein CO2-Ausgleich über die Verknappung von Emissionserlaubnissen (EUAs) aus dem Europäischen Emissionshandelssystem grundsätzlich sinnvoll ist, da dadurch die dem Emissionshandel unterliegenden Industrien weniger CO2 ausstoßen dürfen und damit gezwungen sind, Effizienzsteigerungen umzusetzen, lehnen wir zumindest in dieser Handelsperiode (2008 – 2012) den Ausgleich von Emissionen über dieses System ab. Grund dafür ist, dass nicht abschließend gesichert ist, ob tatsächlich alle Emissionserlaubnisse von den Unternehmen benötigt werden, da die Menge politisch festgelegt wurde und bislang noch große Mengen ungenützt sind. Wäre dies der Fall, hätte die Verknappung keinen Effekt.

    Auch haben wir uns – zumindest derzeit – gegen einen CO2-Ausgleich über Aufforstungsprojekte oder Waldschutzprojekte entschieden. Unzählige Fragen sind in diesem Bereich noch nicht abschließend geklärt. Wenn eine aufgeforstete Fläche später abbrennt, ist der Klimaeffekt gleich Null. Ebenso kann es passieren, dass man einen Teil eines Urwaldes unter Schutz stellt und gleichzeitig – um die Nachfrage an Holz oder Ackerland zu befriedigen – in einem anderen Wald um so mehr Bäume gefällt werden. 

    Da Wälder davon unabhängig einen enormen Einfluss auf das Weltklima haben – nach Schätzung des IPCC werden rund 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Waldvernichtung verursacht –, unterstützen wir – unabhängig vom CO2-Ausgleich  –  mit 10 Prozent unseres Gewinns das Projekt „Plant-for-the-Planet“. Plant-for-the-Planet ist eine globale Initiative von Kindern mit der Mission, 1000 Milliarden Bäume auf der ganzen Welt zu pflanzen.

    Frage: Was ist ein Emissionszertifikat?

    Für die Emissionsreduktion durch ein Klimaschutzprojekt kann ein sog. Emissionszertifikat ausgestellt werden, das die Reduktion einer bestimmten Menge CO2 nachweist. Emissionszertifikate können gehandelt werden und stehen meist für eine Emissionsreduktion von einer Tonne CO2. Der Inhaber eines solchen Emissionszertifikates kann mit diesem Emissionszertifikat eine Tonne CO2 „klimaneutral“ stellen.  Um eine Doppelzählung zu vermeiden, werden hochwertige Emissionszertifikate in Registern geführt und können dort nach der Verwendung für den CO2-Ausgleich stillgelegt werden. 

    Abhängig von den Anforderungen an ein Klimaschutzprojekt und der Überwachung der Einhaltung dieser Anforderungen, haben sich verschiedene Formen von Emissionszertifikaten etabliert. Die verschiedenen Standards genießen unterschiedliche Glaubwürdigkeit. PROJECT CLIMATE nützt ausschließlich Gold Standard Emissionszertifikate, die vom Umweltbundesamt und Umweltschutzorganisationen wie dem WWF für die Kompensation ausdrücklich empfohlen werden. 

    Frage: Welche Arten von Emissionszertifikaten gibt es?

    Bei dem Handel mit Emissionszertifikaten muss der Markt für freiwillige Kompensation von Treibhausgas-Emissionen und der verpflichtende Markt unter dem Kyoto-Protokoll unterschieden werden. Im Gegensatz zu Emissionszertifikaten aus dem freiwilligen Markt (z.B. VERs), bei denen ein einheitlich festgelegter Zertifizierungsprozess fehlt, müssen Emissionszertifikate aus dem verpflichtenden Markt (z.B. CERs) einen international festgelegten Anerkennungsprozess beim Klimasekretariat der Vereinten Nationen durchlaufen. Um dennoch auch im freiwilligen Markt eine hohe Qualität der Klimaschutzprojekte sicherzustellen, haben sich verschiedene Qualitätsstandards etabliert, die sich an den Anforderungen des Kyoto-Protokolls orientieren. Emissionszertifikate aus dem verpflichtenden Markt können auch für die freiwillige Kompensation von CO2-Emissionen herangezogen werden. PROJECT CLIMATE empfiehlt seinen Klimapartnern einen CO2-Ausgleich über Gold Standard CERs. 

    Verpflichtender Markt unter dem Kyoto-Protokoll

    Der Europäische Emissionshandel (“European Union Greenhouse Gas Emission Trading Scheme” – EU ETS) setzt das Kyoto-Protokoll für die Europäische Union um und verpflichtet Unternehmen einzelner Branchen, für ihre Emissionen Emissionszertifikate zu halten. Dazu stehen den Unternehmen drei unterschiedliche Instrumente zur Verfügung: “Emissionserlaubnisse” (EUAs), “Clean Development Mechanism” (CDM) und “Joint Implementation” (JI). 

    Das Instrument des CDM ermöglicht es Unternehmen, in einem bestimmten Umfang Klimaschutzprojekte zur CO2-Reduktion in einem Entwicklungsland durchzuführen, um ihrer Verpflichtung aus dem ETS nachzukommen. Die Zertifikate aus CDM-Projekten werden als CERs (Certified Emission Reductions) bezeichnet. Der JI-Mechanismus ermöglicht es einem Unternehmen dagegen, Emissionsreduktionen in einem anderen Industriestaat durchzuführen und im eigenen Land anzurechnen.

    Freiwilliger Markt

    Der freiwillige Markt ist nicht reguliert und es gibt keinen einheitlichen Qualitätsstandard. Im Grunde kann daher jeder ein Klimaschutzprojekt ins Leben rufen und den Geldgebern eine Bescheinigung ausstellen, dass durch ihr Geld eine bestimmte Menge CO2 eingespart worden ist. Die Zertifikate werden als VERs  (Verified Emissions Reductions) bezeichnet und sind nur “verifiziert” und nicht “zertifiziert”, wie im Fall der Emissionszertifikate aus dem verpflichtenden Markt. Neben einigen Standards, die nicht so anspruchsvoll sind, wie beispielsweise der Voluntary Carbon Standard, haben sich auch im freiwilligen Markt Qualitätsstandards – wie beispielsweise der Gold Standard  – etabliert, die ähnlich hohe oder sogar noch höhere Anforderungen an die Klimaschutzprojekte stellen als in dem Anerkennungsprozess der Vereinten Nationen vorgesehen. Die Einhaltung des Standards – wie z.B. die Berechnung der eingesparten Emissionen und die Zusätzlichkeit des Projekts – wird von einem unabhängigen Dritten geprüft.

    Frage: Was ist das Besondere an einem Gold Standard Emissionszertifikat?

    PROJECT CLIMATE hat sich gegenüber der Gold Standard Foundation in der Schweiz verpflichtet, ausschließlich in Klimaschutzprojekte nach dem Gold Standard zu investieren. Der Gold Standard  ist der weltweit führende unabhängige Qualitätsstandard für Klimaschutzprojekte. Er wurde federführend von namhaften Organisationen wie dem WWF entwickelt und wird heute von mehr als 60 NGOs weltweit unterstützt. 

    Im nicht immer transparenten Markt für Emissionszertifikate steht der Gold Standard  unbestritten für die höchsten Anforderungen an Klimaschutzprojekte und wird deswegen auch vom Umweltbundesamt und anderen Organisationen für einen anspruchsvollen CO2-Ausgleich besonders empfohlen. 

    Ziel des Gold Standards ist es, nicht nur sicherzustellen, dass Kompensationsprojekte tatsächlich zu einer Reduktion von Treibhausgasen führen, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung in dem jeweiligen Land des Klimaprojekts gefördert wird. Um das zu garantieren, wird die Bevölkerung bei der Projektplanung umfassend beteiligt.  

    Das Verfahren zur Gold Standard Zertifizierung läuft parallel zum normalen CDM-Registrierungsprozess nach dem Clean Development Mechanism (CDM); das Verfahren ist aber auch auf Projekte, die Emissionsminderungen für den freiwilligen Markt (VERs) erbringen, anwendbar.

    Frage: Wie ist die öffentliche Akzeptanz des CO2-Ausgleichs?

    Der Kompensations-Mechanismus wird bereits von vielen staatlichen Organisationen, Unternehmen und anderen Institutionen genutzt, um unvermeidbare Emissionen auszugleichen und einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. So wurden bereits die Dienstreisen der Bundesregierung über Klimaschutzprojekte „klimaneutral“ gestellt. Internationale  Großevents, wie beispielsweise die Frauenfußball-WM wurden „klimaneutral“ durchgeführt und Unternehmen wie die Deutsche Post verschicken ihre Pakete nun „klimaneutral“. Besonders bekannt ist der CO2-Ausgleich bei Flugreisen. 

    Frage: Handelt es sich bei der Kompensation von Emissionen um “modernen Ablasshandel”? 

    Im Mittelalter konnte ein reuiger Sünder durch Zahlung eines Ablasses an die Kirche schon zu Lebzeiten sein Sündenkonto ausgleichen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er mit seiner Kompensationsleistung allein sein Gewissen beruhigen oder einen echten Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte.

    Aber Fakt ist: Der Ausgleich von CO2-Emissionen leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz, denn die CO2-Reduzierung durch hochwertige Klimaschutzprojekte ist Tatsache und kein leeres Versprechen. Wer für eine CO2-Reduktion bezahlt, setzt die knappe Ressource, die zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung steht, effizient und damit rational und verantwortungsvoll ein. Wichtig ist aber, dass der CO2-Ausgleich immer nur als Ergänzung zu eigenen Anstrengungen zur Emissionsvermeidung und -reduzierungen gesehen wird und nicht als „Freibrief“, auf eigene Anstrengungen zur Vermeidung und Reduzierung von Emissionen verzichten zu können. 

    Frage: Was sind CO2-Äquivalente und warum werden diese bei der Berechnung der Emissionshöhe berücksichtigt?

    Neben Kohlenstoffdioxid (CO2) werden bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern auch noch weitere Treibhausgase wie Methan (CH4) und Lachgas (N2O) ausgestoßen. Um eine einheitliche Bemessungsgrundlage zu haben, wird das globale Erwärmungspotential der anderen Gase in Relation zur Klimawirksamkeit von CO2 ausgedrückt. Nur wenn die Klimawirkung aller Treibhausgase bei der Berechnung der Höhe der Emissionen berücksichtigt wird, kann ein glaubhafter CO2-Ausgleich sichergestellt werden.

    Frage: Wird über den CO2-Ausgleich die Welt gerettet?

    Solange in China fast jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz geht, werden die weltweiten Emissionen – mit oder ohne CO2-Ausgleich – weiter steigen. Aber über den CO2-Ausgleich werden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt: Mit dem Emissionshandel wird ein Paradigmenwechsel vorbereitet. CO2-Emissionen erhalten einen Preis und finden so Eingang in das Entscheidungskalkül von Anlagenbetreibern und Unternehmen weltweit.