Die Zeit der egofähigen Mobilität hat ein Ende

 

Seit der Industrialisierung von Produktionsprozesse und der damit verbundenen Massenproduktionsmöglichkeit hat die Automobilbranche es geschafft, das Auto als unumstrittenen Mobilitäts-Champion bei uns in der Gesellschaft und auch in der betrieblichen Mobilität zu positionieren.

Laut der Studie Firmenwagenmonitor 2019 fährt, je nach Branche, teilweise jeder vierte Beschäftigte einen Firmenwagen. Dabei überrascht nicht, dass besonders viele Führungskräfte und Fachkräfte aus dem Vertrieb vertreten sind. Eine Erhebung von Statista bestätigt zudem, dass sich die Autokultur in den Organisationen etabliert hat und die Bereitschaft zur Veränderung, beispielsweise bei der Arbeitswegmobilität, im Jahr 2018 kaum vorhanden war (laut Statista gaben nur 10% der Befragten an, für eine Veränderung bereit zu sein; Umfrage zur Veränderungsbereitschaft des Mobilitätsverhaltens in Deutschland 2019).

2020 hat die Mobilität und die Einstellung dazu verändert

Doch 2020 war in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr, welches – neben der grundsätzlichen Debatte und Bewusstseinsveränderung zum Thema Klimaschutz – die Mobilität und auch die Einstellung dazu verändert hat. Im Rahmen einer Erhebung zur Mobilität gaben knapp die Hälfte der Befragten im Juli 2020 an, generell aufgrund der Pandemie weniger zu verreisen. Zudem gaben die Befragten an, dass für die Mobilität 32 Prozent häufiger das Fahrrad und 29 Prozent weniger das Auto nutzen (Statista Studie). Auch bei unseren PROJECT CLIMATE Kunden zeigte sich eine stark veränderte betriebliche Mobilität: Im Durschnitt arbeiteten die Mitarbeiter*innen nun 3-4 Tage im Home Office, die Geschäftsreisen wurden fast auf null reduziert und auch die Nutzung der Dienstwagen ging stark zurück.

„Die schlechte Nachricht: Wir hätten sie ohne Corona verfehlt“

Diesen starken Wandel in der Mobilität (als Folge der Corona Pandemie) konnten sich zuvor weder Organisationen noch Mitarbeiter*innen vorstellen. Er hatte aber einen großen Einfluss auf die Klimabilanz 2020. Die gute Nachricht: Wir in Deutschland haben unsere Ziele laut Klimaschutzgesetz erreicht und die Treibhausgasemissionen sind um 8,7 % gesunken. Die schlechte Nachricht: Wir hätten sie ohne Corona verfehlt. Denn, während die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Energiesektor bereits gut voran geht, stagnieren die Zahlen im Bereich Mobilität seit Jahren und steigen vereinzelt sogar noch an. Dies hängt auch mit dem bisherigen Mobilitätsangebot in Organisationen zusammen: Alternative Mobilitätsformen (wie z.B. Bahnticket, ÖPNV Ticket, JobRad) wurden aktuell meist als Einzelmaßnahmen bei Organisationen eingeführt, sind jedoch meist nicht konkurrenzfähig zu den Dienstwagen im Angebot. Deren Verbreitung und Nutzung ist aktuell noch stabil und in der deutschen Arbeitskultur so fest verankert, dass ein Wechsel z. B. zu Carsharing-Modellen im großen Stil bisher nicht von den Organisationen erwartet wurde. Jedoch sind wir überzeugt, dass genau dieser Schritt – weg aus der 1:1 Beziehung von Fahrzeugen und Mitarbeiter*innen und raus aus dem „Car Century“ der Weg hin zu einer zukunftsfähigen Mobilität in Organisationen ist.

„Innovationsstau“ bei der betrieblichen Mobilität muss aufgelöst werden

Um die CO2 Emissionen im Verkehrssektor weiter – auch nach der Pandemie – zu verbessern, muss der „Innovationsstau“ bei der betrieblichen Mobilität aufgelöst werden. Es ist längst überfällig, den Mobilitätswandel bei Organisationen anzugehen, um diese zukunftsfähig zu gestalten. Dafür müssen Organisationen die Mitarbeiter*innen in den Veränderungsprozess involvieren (nur so funktioniert Wandel nachhaltig!) und das standardmäßige Dienstwagen-Angebot muss einem flexiblen und individuellen Mobilitätsangebot weichen. Und da der Weg zu einer nachhaltigen Mobilitätskultur in jeder Organisation ein Prozess ist, der sich über einen längeren Zeitraum
erstreckt und von vielen Akteuren gemeinsam gestaltet werden muss, sollte so schnell wie möglich gehandelt werden (Publikation des UBA zu diesem Thema).

Ganzheitliche Mobilitätskonzepte im Einklang mit den Pariser Klimaschutzzielen werden benötigt

Wir empfehlen allen Organisationen ein ganzheitliches Mobilitätskonzept entsprechend der Mitarbeiter*innenwünsche und der Standortmöglichkeiten zu definieren. Dies sollte im Einklang mit den Pariser Klimaschutzzielen stehen und sowohl kurz- als auch mittelfristige Veränderungen beinhalten. Die Umsetzung der Einzelmaßnahmen sollte dann step-by-step erfolgen, die Veränderungserfolge kontinuierlich gemessen und möglicherweise mit weiteren Maßnahmen nachjustiert werden. So sind wir uns sicher, dass eine zukunftsfähige Mobilität im Einklang mit PEOPLE – PLANET – PROFIT sich in jeder Organisation etablieren kann.

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Als Praktikantin hat Aline Dahm das Team von PROJECT CLIMATE u.a. durch diverse Marktrecherchen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Mobilität tatkräftig unterstützt: von A wie Aufrufe zur Förderung von Ladeinfrastruktur und E-Mobilität bis Z wie zukunftsfähige Mobilitätsangebote wie Mobilitätsbudgets. Dabei hat sie Ihre Expertise als Studentin der Politik- und Sozialwissenschaften eingebracht und ihren kritischen und prüfenden Blick genutzt, um das aktuelle Geschehen einzuordnen, zu bewerten, relevante Schritte abzuleiten und PROJECT CLIMATE kommunikativ zu unterstützen.

Cathrin Weber verstärkt seit 2020 das PROJECT CLIMATE Team tatkräftig mit Ihrer langjährigen Beratungserfahrung, ihren kreativen Ideen und der Motivation gemeinsam den Mobilitätswandel in Organisationen voranzutreiben. Denn sie ist überzeugt: gemeinsam ist es möglich „unmögliche Veränderungen“ zu realisieren und eine lebenswerte Zukunft mit zukunftsfähiger Mobilität gestalten zu können. Expertise bei großen, teils schwerfälligen, Veränderungen sammelte Cathrin in Digitalisierungs- und Agilisierungsprojekten als Managerin bei Capgemini Invent und in Ihrer Zeit als Partner Managerin Co- Branding Kreditkarten Automobil bei der DKB AG.

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Bildnachweis: Foto von Rommel Davila, unsplash