Bonus-Malus-Ansatz für mehr Klimaschutz im Straßenverkehr

Wofür braucht es ein Bonus-Malus-System beim PKW-Kauf?

Um die Emissionen im Straßenverkehr zu reduzieren, gibt es verschiedene Mechanismen. Ein Mechanismus ist das Erwirken einer Änderung im Nutzungsverhalten, z.B. indem das Auto häufiger stehengelassen wird oder ganz auf ein Auto verzichtet wird. Hierfür soll unter anderem das 49-Euro Ticket sorgen. Jedoch wird das Auto als Verkehrsmittel auch in Zukunft eine Rolle spielen, weshalb der zweite Mechanismus ist, mehr emissionsarme Verbrenner und batterieelektrische Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Um das zu erreichen könnte eine Zulassungssteuer in Abhängigkeit des CO2-Ausstoßes des jeweiligen Fahrzeugs eingeführt werden. Laut Greenpeace wäre das eine konsequente Erweiterung der Kaufprämie auf E-Fahrzeuge, die es aktuell schon gibt. Diese ist zwar ein guter Anreiz für den Kauf von E-Fahrzeugen, jedoch handelt es sich dabei um ein Zuckerbrot ohne Peitsche, denn einen Malus für besonders klimaschädliche Fahrzeuge gibt es aktuell nicht. Darüber hinaus ist die Kaufprämie für den Staat sehr teuer und wird von der Allgemeinheit finanziert, und das, obwohl vor allem Unternehmen und Menschen mit hohem Einkommen davon profitieren. Außerdem gibt es auch unter Verbrennerfahrzeugen große Unterschiede in puncto CO2-Ausstoß. Ein Anreiz, der dazu führt, dass sich Käufer unter den verschiedenen Verbrenner-PKW für einen besonders emissionsarmes Modell entscheiden, gibt es nicht.

Wie funktioniert das Bonus-Malus-System?

Die KFZ-Zulassungssteuer in Abhängigkeit des CO2-Ausstoßes könnte hier Abhilfe schaffen. Die Idee ist, Käufern von klimafreundlichen E-Autos weiterhin einen Bonus zu bezahlen und von Käufern klimaschädlicher PKWs eine Steuer zu verlangen – alles in Abhängigkeit des exakten Ausstoßes des gekauften Autos. Damit gäbe es einen echten Anreiz, sich unter den Verbrennern für besonders emissionsarme Modelle zu entscheiden. Außerdem würde der Bonus für E-Fahrzeuge nicht mehr vom Staat bzw. den Steuerzahlern finanziert, sondern von den Personen, die sich einen CO2-intensiven Wagen leisten können. Kurzum: Wer das Klima belastet, muss mehr bezahlen, und wer es weniger belastet, bekommt einen Zuschuss. Von den Mehreinnahmen des Malus kann der Bonus gegenfinanziert werden.

Ganz konkret präsentiert das Umweltbundesamt in seinem Kurzbericht zum Bonus-Malus-System folgenden Ausgestaltungsvorschlag: wie bisher wird die jährliche Kfz-Steuer weitergeführt, jedoch gibt es ab 2023 als Ergänzung zur einmaligen Kaufprämie für E-Autos einen einmalig zu entrichtenden Malus im ersten Jahr der Zulassung. Um eine vollständige Gegenfinanzierung der Kaufprämie sicherzustellen und einen echten Anreiz für den Kauf emissionsarmer PKW zu schaffen, sollte es laut Umweltbundesamt folgende Abstufung geben:

CO2-Emissionen je Kilometer Malus
< 95 g CO2/km Weder Malus noch Bonus
95-115 g CO2/km 60 €/g
115-135 g CO2/km 88 €/g
135-155 g CO2/km 116 €/g
155-175 g CO2/km 144 €/g
175-195 g CO2/km 172 €/g
> 195 g CO2/km 200 €/g

Die einmalige Steuer würde also laut diesem Vorschlag zwischen 5.700 € und mehreren 10.000 € pro Fahrzeug betragen.

Andere EU-Länder machen vor, wie es geht

Andere Länder sind in puncto Malus für klimaschädliche Fahrzeuge schon deutlich weiter als Deutschland. Dabei zeigen sich in Ländern mit CO2-basierter Zulassungssteuern im Schnitt niedrigere CO2-Emissionen unter neu zugelassenen PKW. Das zeigt: ein solches System wirkt! In den Niederlanden beispielsweise wurde 2008 eine CO2-basierte Zulassungssteuer eingeführt. Dort sind innerhalb von 10 Jahren die CO2-Emissionen neu zugelassener PKW um 32 % gesunken. Zum Vergleich: im EU-Durchschnitt sind die Emissionen in diesem Zeitraum lediglich um 22 % zurückgegangen. Norwegen verzeichnet zwischen 2013 und 2018 sogar einen Rückgang von 40 % im Vergleich zu 6 % EU-weit in diesem Zeitraum. In Norwegen ist jedoch nicht nur eine CO2-basierte Zulassungssteuer, sondern auch die starke Förderung von Elektromobilität, wie beispielsweise die CO2-differenzierte Dienstwagenbesteuerung, für diesen deutlichen Rückgang der Emissionen neu zugelassener PKW verantwortlich.

Wir finden: es ist auch für Deutschland an der Zeit, eine Form der CO2-basierten Zulassungssteuer einzuführen, um die Emissionen im Straßenverkehr zu reduzieren und eine gerechte Finanzierung des Bonus für E-Fahrzeuge zu gewährleisten.

Zum Kurzpapier des UBA

Zur Studie von Greenpeace

Sophia Matt


Seit 2022 verstärkt Sophia engagiert das PROJECT CLIMATE Team mit dem Ziel, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Neben Know-how in Planung und Durchführung von Projekten bringt sie mit ihrem Hintergrund in nachhaltigem Business Management eine Perspektive ein, die uns hilft, PROJECT CLIMATE als Social Business weiterzuentwickeln.